Kann man die Zukunft vorhersagen?

Vor mehr als zehn Jahren und unter dem Eindruck der gerade einsetzenden “Finanzkrise” verfaßte ich eine Art Grundsätzliche Stellungnahme. Das ergebnis war der hier veröffentlichte Blogpost. Und er zeigt, daß der gesunde Menschenverstand ausreicht, die Zukunft – zumindest ungefähr – vorherzusagen.

(Dies ist eine überarbeitete Version meines Artikels vom April 2008 – “Alles Lug und Trug”, sagte schon unsere Oma.)

Schlechte Menschen und viel, viel Geld

Die Krise an den internationalen Finanzmärkten in den vereinigten Staaten und die Ende März 2008 gemeldete Fast-Pleite der Investmentbank Bear-Stearns, darüberhinaus die Milliardenverluste bei der rennomierten USB und vielen anderen international tätigen Bankhäusern untermauern den Vardacht, daß der Großteil des Bankwesens schon vor Jahrzehnten den Kontakt zur physischen Realität unserer Erde gekappt hat.

Ursprünglich verstanden wir unter Geld einen (symbolischen) Gegenwert für Waren und Dienstleistungen, untrennbar gekoppelt an Arbeit, Kapital und Boden. Noch bis vor 100 Jahren stellte es sich so dar, daß das Finanzsystem von Alltagsmenschen getragen wurde. Jede einzelne Aktie konnte zurückverfolgt werden zu einem Arbeitsplatz, an dem Mehrwert geschaffen wurde. Wie sieht das heute aus?
Der Zusammenbruch des nordamerikanischen Immobilienmarktes zeigt uns die Resultate der globalen Spekulation: großzügig zusammengebastelte Finanzierungsmodelle für Eigenheime und Konsumgüter, bei denen die Arbeitskraft einer durchschnittlichen Familie dazu benutzt wird, mittels -einerseits- Vortäuschung von Seriosität, Kompetenz, Bonität, Bankwissen und andererseits, konspirativer Aktion zwischen Geldinstituten Versicherern und Rückversicherern finanzielle Perspektiven vorzugaukeln, mit denen sich dann in der realen Welt die Budgetprojektion Mittelvedieners in wahnhaft übersteigerte Wertschaffungs-erwartungen mogeln läßt- die wiederum zur Absicherung noch höherer Hypotheken herhalten.
Sowas kann nur gut gehen, wenn alle fleißig schwindeln. Der optimistische Familienvater, der im Grunde nur ein schönes Haus für sich und seine Familie will, wird bereits im Vorfeld des Hauskaufs von seiner Hypothekenbank dazu gedrängt,oft völlig abwegige Zukunftssicherheiten vorzuspiegeln um diebereits im Vorfeld trickreich angelegten Hypothekendarlehen zu zu erhalten; bei denen wird dann schöngerechnet, daß daszu erwartende Familieneinkommen ebenso exponentiell anwachsen wird wie die Summen der schon längst eingeleiteten Spekulationen mit den so “synthetisierten” Grundschuldbriefen.rnrnNoch vor 50 Jahren konnten sich Banken als grundsolide Bollwerke eines gesunden Kapitalismus feiern lassen, als das Rückgrat einer starken Wirschaft, abgesichert durch seriöse Männer und Frauen, die die Schiffe ihrer Unternehmen mit Weitblick und Wahrhaftigkeit um die Klippen drohender Konkurse steuern, immer reichlich Wasser unter dem Kiel: ein Heer hochmotivierter Arbeiter und Angestellter, die in soliden Betrieben unter Einhaltung aller Spielregeln Produkte erzeugen, Dienstleistungen erbringen, Mehrwert schaffen; das Fußvolk der freien Marktwirtschaft, auf dessen Schultern die bürgerliche Prosperität ruht. So haben wir das in der Schule gelernt.

So haben wir das jahrzehntelang als ordentliche Bürger mitgetragen.

Was nur wenige ahnen konnten (und was selbst heute im Grunde niemand wahrnehmen will): in diesem Heer grundanständiger Menschen formt sich immer schneller und konzentrierter  eine – heute möglicherweise schon die Mehrheit bildende – Gruppe, die grenzkriminelles Verhalten als Norm etabliert hat; in der die vorsätzlich diffuse Wahrnehmung von Gesetzlichkeit ein Ambiente schafft, das traditionelle Werte wie Korrektheit, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Fleiß und Disziplin als “im Grunde lächerlich” darstellt; vornehmlich deshalb, weil diese Werte ungemein hinderlich sind bei Spekulationen, Abzocke und Zinswucher- der Normalität jener “Wischi-Waschi-Geschäfte” also, die die Basis jenes streberhaften, menschenverachtenden Pseudo-Kapitalismus bilden, der im Grunde wenig anderes als die globalisierte Version der sizilianischen (oder jeder anderen) Mafia ist.
In diesem Umfeld bewegen sich Banken wie Muränen in Heringsschwärmen. Privatfirmen, die sie sein sollten (und grenzkriminellen Konglomerate, die sie im Grunde sind), erzeugen sie mit jugendlich-seriös wirkender Anbiederei den Eindruck, man habe es bei Ihnen mit Institutionen zu tun, tätig in den Bereichen “soziale Absicherung” und “Lebensglück”.
Falsch gedacht, lieber Kunde. Banken sind Privatunternehmen, die genau so wie jeder beliebige Jahrmarktsbudenbetreiber vorderhand an das Geld ihrer Kunden kommen wollen. Darum dreht sich alles und danach kann man dann weitersehen. Im Grunde tragen wir selbst einen Großteil der Schuld an dieser Entwicklung. verlässt man sich nämlich auf seinen gesunden Menschenverstand, wird spätestens bei der Lektüre des Kleingedruckten klar, das Bankgeschäfte auf lange Sicht nur für die Banken auch Geschäfte sind, während die Verbraucher oft die Augen zukneifen, den Kopf zwischen die Schultern ziehen und genau den Vertrag unterzeichnen, der sie über kurz oder lang vom Regen in die Traufe bringen wird.
Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Leute, nicht wenige an der Zahl, die über einen prall gefüllten Sparstrumpf verfügen und sich von den Verlockungen unglaublicher Zinsgewinne aufs Glatteis führen lassen. Ist das Geld erst einmal in der Fondskasse, ist der brave Anleger den als Finanzdienstleister verkleideten Taschendieben auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Was nämlich jetzt geschieht, ist die Ausgangssituation genau jener angeblichen Krise, die in Wirklichkeit den Banken und Finanzjongleuren den Kopf aus der Schlinge ziehen hilft. Das viele Geld, das angeblich an den Börsen jetzt “verlorengeht”, Vermögen, die “vernichtet” werden, hat in Wirklichkeit nie existiert.Dieses Geld existierte nur in Form von Versprechungen. Und das Geld, das von Anlegern eingezahlt wurde, -reale Geldscheine-, dieses Geld ist längst auf die Gehaltskonten von Börsianern, Bankkaufleuten und Filialleitern umgebucht und in Sicherheit vor dem leichsinnigen Anleger gebracht worden. Diese “Spekulationsgewinne” haben in Wirklichkeit nie existiert. Ich gehe so weit, zu behaupten, dass selbst das virtuelle Geld –  also Aktien, Fonds, Finanzinstrumente und Hypothekenbriefe –  dem Nominalwert nach ausreichen würde, alle auf der Erde existierenden materiellen Güter mehr als dreimal hintereinander zu ihrem Zeitwert zu erwerben. (Anmerkung 2018: Die reale überfinanzierung liegt inzwischen beim mehr als dem sechsfachen)
Gesetzt den Fall, diese Annahme ist näherungsweise richtig, dann droht uns eine Geldentwertung, nach der sich die Inflation in Deutschland kurz vor der Währungsreform in Globalem Maßstab wiederholt. Diesmal wären aber nicht nur 30 Millionen deutsche Staatsbürger betroffen, sondern 6 Milliarden Weltbürger, von denen die Hälfte nichts zu verlieren hat als das nackte Leben (wenn sich überhaupt die minimalexistenz, die unzählige Familien in Entwicklungsschwachen Regionen mehr schlecht als recht fristen müssen, als “Leben” nach westlichen Maßstäben bezeichnen läßt. Und auch eine Währungsreform wäre nicht nicht in Sicht. Nur ein globales Schlachtfest um schwindende Ressourcen.
Gesetzt den Fall jedoch, wir sind alle nur einer Bande von Blendern und Betrügern aufgesessen,  ist alles nur noch halb so schlimm. Wir brauchen keine Gewinne abzuschreiben. Wir brauchen nur aufzuhören, den überzogenen Versprechen vom schnellen Reichtum und dem Lügenmärchen “Gewinnwarnung” Glauben zu schenken. Wir sollten uns damit abfinden, dass den Leichtsinnigen und Gierhälsen übel mitgespielt wurde, daß  “Bankwieselei” und “Börsennepp” eine Reihe von zwielichtigen Burschen zu reichen Leuten gemacht hat, auf Kosten jener, die dumm genug waren, ihre Gier nach mehr nicht zähmen zu können.

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